Reisebericht zum Basler Morgenstraich 01.03.2009

„4:00 morgens? Ist das dein Ernst? Die spinnen doch die Schweizer!“
Mit diesen Worten kommentierte mein Kumpel Dennis meinen Vorschlag auf den Basler Morgenstraich zu fahren. Denn die Schweizer legen mit der Fastnacht erst dann los wenn wir in Deutschland bereits damit fertig sind.

Doch ich brauchte ihn nicht lange zu überreden und er war so neugierig, dass er mit im Boot – oder sollte ich sagen mit an Bord? Im Bus nach Basel war!
In Basel geht die Fastnacht tatsächlich Sonntag nachts um 4:00 los und wird begleitet von hunderten Querflötenspielern und Trommlern, die mit ihren Laternen auf dem Kopf und ihren Laternenwägen die Nacht zum Tag machen.

Doch in Basel angekommen dachten wir erst mal hier würde es sich um einen klassischen Aprilscherz handeln. Die Strassen waren still und leer.
-Mein Kumpel Dennis wollte daher spontan eine Einheimische im Auto fragen wo wir denn am Besten feiern gehen könnten.-Die reagierte auf die freundliche Frage des großgewachsenen Kerls in schwarzer Jacke prompt indem sie alle Knöpfe im Auto runterdrückte und sich hermetisch abriegelte. Erst mein schallendes Gelächter, und sein verdutztes Gesicht, lies sie ihr Misstrauen dieser dunklen Gestalt gegenüber vergessen und sie erklärte uns bereitwillig den Weg.-Immer `“grad usi“-

So schlenderten wir durch die schlafende Altstadt und tingelten von Kneipe zu Kneipe. Zunehmends bemerkten wir kostümierte Gestalten und immer mehr Menschen schienen aus allen Ritzen und Winkeln der schmalen Altstadtgassen hervorzuströmen. Nun entdeckten wir einzelne Gruppen die zwar jeder für sich individuelle Kostüme anhatten-aber stets die gleiche gruppeneigene Laterne mit demselben Motiv auf dem Kopf trugen.-Das Bizarre war- keiner sah gleich aus aber alle sahen sich ähnlich mit ihren altertümlichen fratzenhaften Masken mit riesigen Augen und grotesken Nasen.

Basler Morgenstraich mit jomotours

Um Punkt 4 Uhr erloschen schlagartig alle Lichter und das Trommeln und Flöten setzte in der ganzen Stadt ein. Die Gruppen liefen kreuz und quer durch die ganze Altstadt- verschwanden plötzlich hinter einem Haus und waren weg-wohingegen andere plötzlich wie von Geisterhand vor einem vorbeihuschten.

Durch die Dunkelheit wurde man oft von Passanten angerempelt,doch genau diese Dunkelheit macht diesen unvergleichlichen Reiz dieses Spektakels aus.-und macht es zu einem der ursprünglichsten Fastnachtsbräuche die ich kenne.

Denn ursprünglich sollten laut keltischem Brauch mit den geisterhaften Fratzen, die Dunkelheit und böse Geister des Winters vertrieben werden- und so wurde bis in den Vormittag hinein gespielt und marschiert.-Leider war das Wetter passend zu den Fratzen „schaurig“- und da wir keine Masken hatten.- Improvisierten wir kurzerhand und wollten aus Plakaten 2 Malerhüte basteln.-Doch die Anleitung dazu gabs damals im Kindergarten vor einem viertel Jahrhundert!- und sie wollte uns einfach nicht einfallen.

Basler Morgenstraich mit jomotours

Zum Glück kam uns ein freundlicher Schweizer entgegen, der uns mit ein paar geschickten Handgriffen unsere Regenhüte bastelte und meine Sympathie für dieses eigensinnige Bergvölkchen weiter untermauerte.
Derart gut „behütet“schlenderten wir im kalten Nieselregen müde aber glücklich und voller neuer Eindrücke zurück zum Bus.

Der Basler Morgenstraich ist wirklich ein ganz besonderes Erlebnis und dafür lohnt es sich die Nacht zum Tag zu machen!

Eure Hanni

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